Kurzbericht von der Fachtagung 2016

Gut 50 Personen kamen am 27. Januar nach Niederurnen für die FAGES Fachtagung 2016. Wir waren Gäste bei der Eternit AG, einem Ort der in engem Zusammenhang steht zum Thema der Tagung  Ersatz und Entsorgung von Faserzementprodukten.

Zwei Referenten der Eternit lieferten eine Art Klammer um die Tagung. Als Einstieg präsentierte Anders Holte, der ehemalige CEO der Eternitgruppe, in einem launigen Referat die Geschichte der Eternit AG bzw. der dort produzierten Faserzementprodukte. Das langlebige Bauprodukt entstand wurde um 1900 in Österreich entwickelt wurde. Die Eternit Schweiz wurde 1903 gegründet und arbeite äusserst erfolgreich im 20. Jahrhundert. Eine intensive Zusammenarbeit mit Architekten trug wesentlich zur Verbreitung der Faserzementplatten als Fassadenelement bei. Ab den späten 50er Jahren wurde die Gesundheitsgefährdung von Asbest unübersehbar und die Produktion asbesthaltige Produkte geriet unter Druck. In Niederurnen hatte 1977 Stephan Schmidheiny das Werk von seinem Vater übernommen und initiierte den Ausstieg aus der Verwendung von Asbest. Die Firma musste sich quasi neu erfinden: Der Weg zu sicheren Faserzementprodukten war schwierig und dauerte. 1981 konnte Schmidheiny dann verkünden, dass für eine grossen Teil der Produktion Alternativen ohne Asbest „in Sicht“ seien. Heute sind an die Stelle der Asbestfasern Kunststofffasern und Zellstoff getreten, wobei Zement immer noch der Hauptbestandteilt der recyclingfähigen Produkte ist, die unter dem Namen Swisspearl vertrieben werden.

Mit dem Vortrag von Ueli Schweizer, dem Marketingleiter der Eternit wurde am Nachmittag die Klammer geschlossen. Er zeigte die vielfältigen Möglichkeiten auf, die sich mit den neuen Swisspearl-Produkten für Architekten und Bauherren ergeben. Vor allem auch im Umbau bzw. der Gebäudeerneuerungen bei Sanierungen (Ersatz- und Neubekleidungen, wie er es nannte) ergeben sich für Gebäude interessante visuelle 1:1 Ersatzoptionen oder die Möglichkeiten, ein gänzlich neues Erscheinungsbild zu erreichen.

Jakob Marti vom Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Glarus gab nach dem Pausenkaffe eine Einführung in der Tagungsthematik. Er zeigte, wie ab Mitte der 80er Jahre der Verbrach an Asbest in der Schweiz markant zurückging, um dann 1991 nach Auslaufen der Übergangsfristen der Stoffverordnung die Produkte vom Markt zu verschwinden. Da Asbest aber als Baumaterial eine hervorragende Langlebigkeit aufweist sind wir immer noch mit einem ganz erheblichen Lager von Asbest in Bauten konfrontiert. Und Asbest bereitet uns wegen seiner Eigenschaften (asbestos bedeutet "unvergänglich") immer noch Probleme bei der Entsorgung.

Hans Musch vom BAFU gab in seinem Referat einen Überblick über die Eigenschaften, welche die Fasern so langlebig machen. Er zeigte auch auf, dass wir wohl noch weiter 25 Jahre immer wieder mit asbesthaltigen Abfällen (vor allem aus der Erneuerung von Bauwerken) konfrontiert sein werden. Es bestehen verschiedene mögliche Entsorgungsverfahren, die aber alle von ungelösten Fragen begleitet sind, seien sie technischer oder organisatorischer oder finanzieller Art. Die Verfestigung und Deponierung wurde ausführloch diskutiert und dabei auch der Ansatz der Entsorgung von gering belasteten Asbestabfall in KVA vorgestellt. Im Rahmen der Vollzugshilfe zur neuen VVEA wird das BAFU Vorgaben zu einem besseren Umgang mit Asbesthaltigen Abfällen vorlegen.

Stefan Scherer von der Suva sprach über Belastungen bei Eingriffen und Demontagenn im Freien. Die Suva hat in den letzten Jahren Messungen bei verschiedenen Rückbauen von Asbestmaterialien Messungen durchgeführt. Die teilweise erschreckend hohen Faserwerte machten deutlich, wie wichtig Schutzmassnahmen bei solchen Arbeiten sind, dass darauf geachtet werden muss, dass keine offene Bearbeitung stattfindet und dass Arbeitsplätze gut gereinigt und die Abfälle sorgfältig entsorgt werden müssen.

Im Vortrag zu Fragen der Vollzugspraxis schloss Jakob Marti inhaltlich gleich an. Zur Thematik der Kantone bei der Entsorgung referierte er zu den drei Themen Umgang mit bestehender asbesthaltiger Bausubstanz, Entfernung von asbesthaltiger Faserzementprodukten und Entsorgung. Zwar ist korrektes Vorgehen bei diesne Arbeiten bekannt, aber die Arbeitsinspektorate sind immer wieder mit erstaunlichen und erschreckenden Bildern konfrontiert beim Rückbau. Die Vorgaben zur Verpackung und dem Transport der Abfälle werden demgegenüber einigermassen eingehalten. Bei der Ablagerung ist es um die Sicherheit schon schlechter bestellt und der Umgang mit solchen Produkten bei der Abfalltrennung oder auch -sammlung lässt vielerorts noch deutlich zu wünschen übrig.

Zum Abschluss der Entsorgungsthematik stellte Arbenita Gapi vom BAFU die für uns wichtigen Punkte der neuen Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen, VVEA, vor. Die VVEA sieht weiterhin eine umfassende Verwertungspflicht auch von Bauabfällen vor. Dazu wird neu in Art. 16 der Verordnung bei Bauarbeiten ein Entsorgungskonzept verlangt, wenn Abfälle von mehr als 200 m3 anfallen oder umwelt- oder gesundheitsgefährdende Stoffe zu vermuten sind. Damit ist auch eine Ermittlungspflicht stipuliert. Die VVEA hat auch die Deponietypen neu definiert. Frau Gapi zeigt, welche Arten von asbesthaltigen Abfällen unter welchen Voraussetzungen auf welchen Deponien abgelagert werden können. Sie kündigte auch an, dass das BAFU die Erarbeitung der in der VVEA vorgesehen Vollzugshilfe an die Hand genommen hat. Sie soll modular aufgebaut werden, sodass Aspekte die dringend sind oder bei denen die Vollzugsvorstellungen bereits weiter gediehen sind, unabhängig voneinander veröffentlicht werden können. Ein Modul Asbest wird zu den ersten Elementen gehören.

Das BAFU hat eine Liste der häufigsten Fragen zur VVEA aufgeschaltet Hier finden sich auch Erläuterungen zur Ermittlungspflicht (Art. 16, Angaben zur Entsorgung von Bauabfällen).

Die Pausen zwischen den Vorträgen, aber auch das Mittagessen boten Gelegenheiten für einen fachlichen Austausch, der offensichtlich rege genutzt wurde. Zum Schluss benutzten gegen 20 Personen die Möglichkeit, die Produktionsanlagen der Eternit zu besichtigen.